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Mittwoch, 27.05.2020
Die Sage vom Steinernen Kreuz
Die Sage vom Steinernen Kreuz
Das Steinerne Kreuz bei der Häusellohe
Das Steinerne Kreuz bei der Häusellohe
In der Zeit des Dreißigjährigen KriegesDreißigjährigen Krieges, besonders in den Jahren 1632 und 1633, hatte auch unsere Heimat schwer unter den Drangsalen der vielen Kämpfe zwischen Kaiserlichen und Schweden zu leiden. Oft kamen größere oder kleinere Soldatenhaufen der kaiserlichen Regimenter von der Stadt EgerEger aus, wo sie im Winterquartier lagen, nach Selb. Ihr nächster Weg war dabei der über FranzensbadFranzensbad und über die Häusellohe. In Selb holten sie sich Heu, Hafer und Stroh für ihre Pferde und Schlachtvieh zur Verpflegung der Soldaten. Die Futter- und Lebensmittel mussten die Bauern der Gegend aufbringen und in Selb bereithalten. Die Schweden aber, welche damals die OberpfalzOberpfalz besetzt hatten, erfuhren von den Streifzügen der Kaiserlichen und lauerten ihnen im dichten Walde bei der Häusellohe auf. Gar zu gerne hätten sie einmal einige der reich beladenen Proviantwagen der Kaiserlichen erbeutet.
Wieder einmal, es ging schon auf Mitternacht, kamen die Kaiserlichen auf dem vom Monde beschienenen Waldwege daher. Plötzlich sprengten die Schweden, die mit Harnischen (Rüstungen), Schwertern und Schilden schwer bewaffnet und von einem Obersten geführt waren, aus dem dunklen Wald heraus und hieben auf die Kaiserlichen ein. Doch diese setzten sich gar heftig zur Wehr. Weithin schallte da das Geklirre der Rüstungen und Schwerter, mit denen die Kämpfenden aufeinander einschlugen! Die Pferde wieherten und schnaubten unter ihren Reitern, die sie immer wieder anspornten. Bald lagen Verwundete und Sterbende auf dem Waldboden hingestreckt, darunter auch der schwedische Oberst. Er war durch einen Schwerthieb schwer getroffen worden und starb auf der Stelle. Auf beiden Seiten gab es große Verluste und nur wenige kaiserliche Soldaten überlebten das mörderische Gefecht. Man begrub die Toten auf dem Kampfplatz.
Später hat man an der Stelle ein Steinkreuz errichtet, das heute noch Zeugnis gibt von der schweren Zeit des Dreißigjährigen Krieges.
Als dort vor vielen Jahren zur Aufforstung gegraben wurde, fanden die Waldarbeiter allerlei Überreste aus dem Kampf zwischen Kaiserlichen und Schweden. Ein längst verstorbener Forstbeamter von der Häusellohe konnte darüber gut Auskunft geben. Damit ist aber bewiesen, dass das Steinkreuz bei der Häusellohe ein Gedenkkreuz ist an eine schwere Zeit, und wir können verstehen, dass manche es "Schwedenkreuz" nennen.
Um dieses Kreuz wob sich nun in den weit über 350 Jahren, die seit dem Dreißigjährigen Kriege vergangen sind, eine Sage. Sie geht immer von den Eltern auf die Kinder weiter und berichtet:
An jedem Jahrestag der Schlacht entsteigen nachts zwölf Uhr die damals im Kampf Gefallenen in ihrer alten Kleidung und Rüstung wieder ihren Grabstätten. Von Neuem entbrennt dann der Kampf zwischen den Gegnern. Besonders heftig wird er geführt von den Schweden, die ihren gefallenen Oberst rächen wollen. Wieder schlagen sie mit ihren Schwertern aufeinander ein und wieder stöhnen und ächzen die Verwundeten und Sterbenden. Doch wenn die Glocke vom Selber Kirchturm ein Uhr schlägt, ist der Geisterspuk zu Ende. Unheimlich ist es dort am Steinernen Kreuz in der Häusellohe um die mitternächtliche Stunde und niemand ist gern um diese Zeit draußen im Wald.
Nach Dr. Ludwig Rieß: "Selber Heimatbuch"
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